Saxophon-Quartett “Vierfarbensaxophon” in Amorbach

Mai 16th, 2012

Das Saxofon ist ein Instrument, das bei Blasorchestern, Big Bands und Jazz-Formationen nicht wegzudenken ist. Brillante Soli mit dem »heißen Strahl« der Tenor- und Altsaxofone erfreuen das Herz eines jeden Jazz-Freunds. Ein Saxofon-Quartett, das ein knapp zweistündiges Programm bestreiten kann, dazu noch eine musikalische Zeitreise über mehrere Epochen bietet, ist eher ungewöhnlich.

Vierfarbensaxophon in Amorbach

Virtuose Brillanz in optisch außergewöhnlicher Aufmachung hat das Konzert des Quartetts »Vierfarbensaxophon« am 13. Mai 2012 im Grünen Saal des Fürstenhauses zu Leiningen ausgezeichnet.
Foto: Ruth Weitz

Ungewöhnliche Veranstaltungen zu organisieren und damit ihr Publikum zu begeistern, ist das Markenzeichen von Birgitte Funk. Mit dem Konzert am 13. Mai 2012 hat sie ihren Ruf als Eventmanagerin gefestigt, die das Besondere außerhalb des so genannten Mainstream in ein entsprechendes Ambiente setzt, Qualität und Stil zusammenführt. Wie virtuos und unterhaltsam ein solches Konzert sein kann, zeigte das in Frankfurt beheimatete Ensemble »Vierfarbensaxophon« am frühen Sonntagabend im Grünen Saal des Fürstenhauses zu Leiningen in Amorbach. Der Grüne Saal des Fürstenhauses zu Leiningen war durch sein Ambiente für das Konzert wie geschaffen. Das Quartett »Vierfarbensaxophon« bestach durch künstlerische Perfektion in der Interpretation der ganz unterschiedlichen Musikstücke aus mehreren Jahrhunderten.

Außergewöhnliches Klangerlebnis
Die Klangfarben der vier Saxofone -  Sopran, Alt, Tenor und Bariton  -  verbanden sich zu einem außergewöhnlichen Klangerlebnis, wobei der virtuose Vortrag der einzelnen Kompositionen zu einem wirklichen Genuss beitrug. Dazu gesellte sich eine kurzweilige Moderation, amüsant und interessant zugleich und in einer Länge, die der Musik nicht die Schau stahl, sondern ihr die Hauptrolle überließ.
Das Repertoire war ebenso facettenreich wie das Zusammenspiel der Klangfarben. So brachten die vier Musiker die kleine Nachtmusik von Mozart in einer so feinen Nuancierung, die Zuhörern, die eher Streichern als Bläsern zugeneigt sind, neidlosen Respekt abverlangt. In Kostüme aus der Epoche des Barock gekleidet, bot das Ensemble mit Jürgen Faas (Baritonsaxofon), Bastian Fiebig (Altsaxofon), Susanne Riedl (Tenorsaxofon) und Stefan Weilmünster (Sopransaxofon) auch optisch ein besonderes Erlebnis. Während im ersten Teil des Programms Stücke der alten Musik bis hin zu »mozärtlichen« Klängen unterschiedlichster Art zu hören waren, gab es im zweiten Teil zeitgenössische Kompositionen, die von Motiven aus Gershwins »Ein Amerikaner in Paris« eingeleitet wurden.

Tipp zum Reinhören in virtuose Saxofon-Interpretationen von Rolf Becker:

Hörgenuss par excellence
Technische Brillanz und musikalisches Feingefühl im Zusammenspiel miteinander vereinten sich zu einem Hörgenuss par excellence. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass bei künstlerischen Vorträgen das Beste zum Schluss präsentiert wird, wobei bei einem Konzert von »Vielfarbensaxophon« diese Differenzierung eigentlich nicht angemessen ist.
Aber dennoch, die vier Sätze aus der »Tekweni Suite« des südafrikanischen Komponisten Isak Roux waren schon etwas ganz Besonderes, wenn man hier den Qualitätsmaßstab für guten Saxofonisten ansetzt.

Lautmalerische Akzente
Die Formation brillierte mit punktgenauen Einsätzen und einer mitreißende Dynamik bei dieser markanten Komposition, die Landschaftsbilder und geschäftiges Treiben durch lautmalerische Akzente vor dem geistigen Auge entstehen ließ. Ganz klar, dass das Publikum die Musiker nicht ohne Zugabe gehen ließ. Es gab zwei, wobei sich die vier Instrumentalisten bei der letzten in farbenfrohe Nachthemden gehüllt und Zipfelmützen aufgestülpt hatten. Die Saxofonisten gaben den Besuchern in Amorbach mit Brahms’ Wiegenlied noch ein schönes klingendes Betthupferl mit auf den Weg.

Veröffentlicht im „Bote vom Untermain“ am 16. Mai 2012
© Ruth Weitz – freie Journalistin – Obernburg a. Main     www.ruthweitz.com